Wie viel Selbstbestimmung ist im Betreuungsalltag möglich? Welche Bedeutung haben vertraute Bezugspersonen? Und was braucht es, damit Inklusion gelingt?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Besuchs von Fiona Fiedler, Nationalratsabgeordnete und Behindertensprecherin der NEOS, im Tageszentrum Kreativ der VKKJ in Wiener Neustadt. Die Antworten darauf fanden sich nicht nur in den Gesprächen mit der Leitung und den Mitarbeiter:innen, sondern auch im gelebten Alltag der Einrichtung.

VKKJ-Geschäftsführer Andreas Steuer im Gespräch mit NAbg. Fiona Fiedler. Foto: VKKJ/Neureiter-PR

Im Tageszentrum Kreativ der VKKJ in Wiener Neustadt werden Erwachsene mit Behinderungen tagsüber betreut und finden dort eine Gemeinschaft vor. Diese ist geprägt von Kreativität und gemeinsamen Aktivitäten abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Klient:innen. Gegründet von betroffenen Eltern kann die Einrichtung heuer bereits stolz auf ihr 40-jähriges Bestehen blicken.

NAbg. Fiona Fiedler machte sich beim Rundgang durch die hellen Gruppenräume und den Garten ein Bild vom Alltag im Tageszentrum mit seinen rund 40 Klientinnen und Klienten. Ob gerade eine Handarbeit gefertigt oder musiziert wurde, überall herrschte gute Stimmung.  „Ich bin begeistert von den hellen, freundlichen und offenen Räumen. Man hat ein angenehmes Gefühl, wenn man hier durchgeht, und merkt, dass sich die Menschen wohlfühlen und gut aufgehoben sind“, so das Fazit der Nationalratsabgeordneten.

Vertraute Menschen geben Sicherheit

Foto: VKKJ/Neureiter-PR

Wie wichtig die entsprechenden Rahmenbedingungen für die Menschen, die den Alltag im Tageszentrum gestalten sind, wurde im Gespräch mit VKKJ-Geschäftsführer Andreas Steuer und Tageszentrumsleiterin Claudia Steinschauer deutlich.

„Mir ist es wichtig, dass die von uns betreuten Menschen selbst entscheiden können, was sie möchten, und dafür entsprechende Freiräume haben“, betonte Steinschauer. Weiters hob sie das Vertrauen hervor, das die Geschäftsführung und der Vorstand der VKKJ den Mitarbeiter:innen entgegenbringen. Es ermöglicht dem Team, eigene Ideen einzubringen und den Alltag entsprechend den Bedürfnissen der Klient:innen zu gestalten.

NAbg. Fiona Fiedler mit Claudia Steinschauer, Leiterin desTageszentrum Kreativ der VKKJ. Foto: VKKJ/Neureiter-PR

Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist die Kontinuität in der Betreuung. Zahlreiche Mitarbeiter:innen begleiten die Menschen im Tageszentrum bereits seit vielen Jahren. Claudia Steinschauer selbst ist seit nahezu 20 Jahren in der Einrichtung tätig, 11 davon als Leiterin. Andere Teammitglieder arbeiten seit zehn, 15 oder sogar 25 Jahren im Tageszentrum Kreativ.

Für Geschäftsführer Andreas Steuer ist diese langjährige Verbundenheit weit mehr als eine organisatorische Frage: „Dabei geht es mir vor allem um die Betreuungskontinuität für unsere KlientInnen. Ständig wechselnde Bezugspersonen wären weder im Tageszentrum noch in unseren Ambulatorien förderlich.“

Auch Fiona Fiedler sieht im Zusammenspiel zwischen Leitung und Team eine wichtige Grundlage für erfolgreiche Arbeit: „Es braucht dieses Zusammenspiel von beiden Seiten. Motivierte Mitarbeiter:innen müssen auch die Möglichkeit haben, ihre Ideen umzusetzen. Diese Synergien muss man schaffen und nutzen.“

Inklusion bedeutet, voneinander zu lernen

v.l. NAbg. Fiona Fiedler, VKKJ-Geschäftsführer Andreas Steuer und VKKJ-Tageszentrumsleiterin Claudia Steinschauer. Foto: VKKJ/Neureiter-PR

Über den Alltag im Tageszentrum hinaus führte der Austausch zu einer grundsätzlichen Frage: Wie kann gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen gelingen?

Fiona Fiedler sprach dabei insbesondere die Bedeutung inklusiver Bildung an. Wenn Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam aufwachsen und lernen, können sie früh erfahren, dass Menschen unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen und voneinander profitieren.

„Ich kann als Kind ohne Behinderung von einem Kind mit Behinderung etwas lernen. Jeder Mensch hat seine Talente. Die Aufgabe ist es, diese Talente zu entdecken und nicht nur darauf zu schauen, was ein Kind alles nicht kann“, betonte die Nationalratsabgeordnete.

Ein Gedanke, der auch im Tageszentrum Kreativ seinen Platz hat. Denn die individuellen Fähigkeiten, Interessen und Wünsche der KlientInnen bilden hier die Grundlage für die Gestaltung des Alltags.

NAbg. Fiona Fiedler zu Besuch im Tageszentrum Kreativ der VKKJ. Foto: VKKJ/Neureiter-PR

Der Besuch machte deutlich, wie eng Selbstbestimmung, verlässliche Beziehungen und die Bereitschaft, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen, miteinander verbunden sind. Was in gesellschaftlichen Diskussionen häufig als Ziel formuliert wird, gehört im Tageszentrum Kreativ der VKKJ  zur täglichen Arbeit.