Bei der Sensorischen Integrationsstörung können Sinnesinformationen im Gehirn nicht ausreichend zugeordnet, gespeichert und miteinander vernetzt werden. Das kann zu unterschiedlichen Verhaltensauffälligkeiten bei betroffenen Kindern führen. Eltern schildern die Symptome wie folgt: Das Kind

– ist tollpatschig und ungeschickt;
– hat Probleme beim Sport, Basteln oder Schreiben;
– schreit, hat Schlaf- oder Essstörungen (sogenannte „Regulationsprobleme“);
– „spürt sich zu viel oder zu wenig selbst“;
– zeigt Aufmerksamkeitsschwankungen und Teilleistungsschwächen;
– tut sich schwer, Wahrgenommenes zu verarbeiten;
– hat Selbstwertprobleme und psychosoziale Probleme (sogenannte „sekundäre Verhaltensauffälligkeiten“).

Betroffenheit und Ursachen

Bis zu 15% von Kindern und Jugendlichen sind von Sensorischen Integrationsstörungen betroffen. Ursache dafür ist eine Funktionsstörung im Zentralnervensystem. Im Gehirn befinden sich neuronale Netzwerke, die miteinander verbunden sind und miteinander arbeiten. Zuweilen können sie sich aber auch gegenseitig stören. Grund dafür können Risikofaktoren vor, während und nach der Geburt sowie eventuell auch genetische Ursachen sein.

„Es ist wichtig, diese Entwicklungsauffälligkeiten zu erkennen und nach entsprechenden neuropädiatrischen Abklärungsuntersuchungen therapeutische Maßnahmen einzusetzen. Andernfalls besteht die Gefahr von insbesondere psychosozialen Entwicklungsstörungen“, sagt Kinderfachärztin Dr.in Beatrix Blaha-Emich, Leiterin des Ambulatorium Wiental der VKKJ.

Diagnose und Therapie

Daher gilt es, idealerweise bereits in den ersten Lebensjahren des Kindes eine ärztliche Diagnose einzuholen. Mit der Sensorischen Integrationstherapie von speziell ausgebildeten Fachkräften, meist ErgotherapeutInnen, können gute Erfolge erzielt werden. Wie bei allen Entwicklungsstörungen sind dabei die Elternaufklärung und begleitende Beratung wesentlich.

Das von der kalifornischen Ergotherapeutin Dr.in Jean Ayres entwickelte Behandlungskonzept wird von TherapeutInnen mit spezieller Zusatzausbildung in allen Ambulatorien der VKKJ erfolgreich angewendet. Dabei werden mit geeigneten Therapiematerialien alle Sinne (Gleichgewichts- und Spürsinn; Tiefenwahrnehmung) angesprochen. Das wirkt animierend und weckt den Forscherdrang. Taktilität, Grob-und Feinmotorik, Planung, Ausdauer und damit einhergehend das Selbstwertgefühl können auf diese Weise verbessert werden.